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Endlich ist er da: der Oststempel

Der Oststempel

Der Oststempel soll die ausgezeichnete Qualität ostdeutscher Produkte, Ausbildungen und Arbeitskräfte ausweisen.

Hintergrund seiner Entstehung ist das immer noch nach 22 Jahren weit verbreitete Unwissen gegenüber den Leistungen, zu denen Menschen aus den neuen Bundesländern imstande sind und welche sie vollbringen. Trotz des vorherrschenden Medienbildes, welches suggerieren soll, dass es faktisch keine Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt, bestehen sie im alltäglichen Leben in allen Bevölkerungsschichten. Und damit sind nicht bloß die Abweichungen in den Löhnen und Gehältern bei gleichen Lebenshaltungskosten gemeint, die standardmäßig aus einer politischen Ecke angeprangert und aus einer anderen mit Bezug auf die wenigen Kuhdörfer mit einstelliger Einwohnerzahl aus Mecklenburg-Vorpommern wegzuwischen versucht werden – sondern generelle Unterschiede im ökonomischen und sozialen Verhalten. Ein diesbezügliches Resultat besteht zum Leid vieler Ostdeutscher darin, dass sie einfach viel zu bescheiden mit ihren Fähigkeiten umgehen. Zur Unterstützung eines fähigen Menschen aus MV, Brandenburg oder Thüringen kann der von mir entworfene Oststempel frei für jede Bewerbung genutzt werden.

Mit dem Stempel intendiere ich allerdings auch weitaus mehr als nur eine Qualitätsausweisung von potentiellen Arbeitnehmern oder Produkten wie etwa das Filinchen, der Bautz’ner Senf oder die Knusperflocken. Denn der Ausdruck „Oststempel“ ist bereits ein fester Bestandteil im Sprachgebrauch vorurteilsbehafteter Personen geworden. Manche Personalabteilungsangestellte verpassen diesen Stempel nachweislich allzu gern einem Bewerber aus dem Osten und werten ihn damit gegenüber seinen westdeutschen Konkurrenten ab. Kein plausibler Grund besteht jedoch dafür. Es scheint so manchem Menschen gleich zu sein, ob an den hiesigen Berufsschulen exzellente Kräfte ausgebildet oder ob an den traditionsreichen ostdeutschen Universitäten, die mitunter über 750 Jahre alt sind, herausragende Leistungen vollbracht werden. Vermutlich werden sie mit überbordenem Staunen vernehmen, wo etwa die weltweit erste erfolgreiche Behandlungsmethode für Ehec-Erkrankte entwickelt worden ist.

Weiter erinnert der obige Stempel aber auch an ein berühmtes Vorbild, dessen Eigenschaften zu teilen davon abhängt, inwiefern mein Versuch fruchtet. Wir schreiben das Jahr 1862. In einer Londoner Ausstellung boten deutsche Unternehmer Maschinen von Johann von Zimmermann (1820-1901) feil, welche eine gute Konkurrenz zu den britischen Produkten darstellten und diese zu verdrängen drohten. Um die deutschen und weitere Importe zu schwächen, wurde alsbald im Jahre 1887 der Merchandise Marks Act in Kraft gesetzt, nach dem das jeweilige Herkunftsland eines Produktes angegeben werden sollte. Der politische Versuch scheiterte, und die Ausweisung „Made in Germany“ wurde schnell zu einem Qualitätssiegel. Die eigentliche Absicht, sich gegen Waren aus dem Ausland zu schützen, erhöhte letztendlich die Importe. Analog zu den britischen Interventionen in deren Wirtschaft ist mein Oststempel zu betrachten. Mögen ostdeutsche Arbeitskräfte oder Produkte noch so oft den Oststempel im negativen Sinne verpasst bekommen, so wird sich schließlich der hohe Standard aus den neuen Bundesländern durchsetzen.

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