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Das Holz und der Holzfäller

Die Sonne hatte sich von Jahr zu Jahr tiefer hinein gebrannt. Auch wenn von außen ab und an ein neues Gewand aufgetragen wurde, zersetzte es sich unaufhaltsam, sowie dieses wieder abgefallen war. Es war nicht mehr möglich, sesshaft zu werden, wurde es seiner Wurzeln doch schon vor Jahrzehnten beraubt. Sicher erinnerte es sich auch nicht mehr daran, wie es gewaltsam getötet, entkleidet und anschließend eiskalt in Scheiben geschnitten wurde, um ungespitzt in den Boden gerammt zu werden.
Auf der Rückseite des Hauses klaffte eine Lücke zwischen seinen Brüdern und Schwestern. Das Holz, was dort gestern noch stand, fand eine neue Aufgabe. Es umhüllte den Leichnam des ehemaligen Hausbesitzers, es umschloss seinen Mörder. Gemeinsam fanden so Opfer und Täter, Diener und Meister, Benutzter und Nutzer ihre letzte Ruhestätte unter der Erde – verschmolzen in den Mägen der Zersetzer.

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